Der Chefdirigent des Landesblasorchesters bringt Dirigenten der Region interpretatorische Feinheiten bei

Ringingen / sz Björn Bus, seit 2013 Chefdirigent des Landesblasorchesters Baden-Württemberg, hat am Samstag im Ringinger Musikerheim annähernd 50 Dirigenten aus dem Blasmusik-Kreisverband Ulm/Alb-Donau und darüber hinaus im Rahmen eines ganztägigen Workshops mit den Feinheiten der werkgetreuen Interpretation vertraut gemacht. Die als Dirigententag angelegte und von Kreisverbandsdirigent Gerhard Schlecker aus Emerkingen organisierte Veranstaltung soll zur Verbesserung des Musizierens in den Blasorchestern beitragen. Werkverständnis und Interpretation stehen dabei gleichermaßen im Vordergrund.

„Kennst du russisches Blech der Moskauer Schule?“, fragt Björn Bus einen Kursteilnehmer, der sich am Nachmittag wie einige andere bereiterklärt hatte, mit dem 70-köpfigen Lehrgangsorchester probeweise einige Takte einer Komposition zu erarbeiten. Dann erklärt er dem in dieser Beziehung noch unwissenden Mann am Dirigentenpult, wie das helle Blech bei der Ballettoper Mlada von Nikolai Rimski-Korsakow zu strahlen habe. „Die laufen nicht, die schreiten“, erläuterte Bus die Musik zum „Einzug der Fürsten“. „Wenn wir es etwas intensiver haben wollen, lassen wir oft zu laut spielen“, bemängelte er einen vielfach vorkommenden Interpretationsfehler und forderte an anderer Stelle mehr Artikulation. „Was ist für dich die Bedeutung des Titels?“, lautete die Frage nach dem Verständnis des Werks. „Wir probieren, ein Sinfonieorchester zu imitieren“, stellte der erfahrene Orchesterleiter die angestrebte Klangvorstellung klar.

„Es gibt auch Dämpfer für die Oboe“, regte Björn Bus die Oboistinnen dazu an, zur Korrektur des Tons ihre Instrumentenwischtücher in die Schallbecher zu stecken. Mit unbewegtem Gesicht wartete er das Endes des ob der ungewohnten Zumutung entstehenden Kicherns der Mädchen ab. Die Fagottistin steckt das Tuch oben in das Ende ihres Instruments. An sich ist Björn Bus ein sehr freundlicher Mensch, aber bei der Qualität kennt er keine Kompromisse. „Kannst du versuchen, das in deinem Gesicht zu zeigen?“, forderte er hingegen den Dirigenten zu anregender Mimik auf. Sie zählt ebenso wie die Gestik zu den Ausdrucksmitteln eines Orchesterleiters.

Björn Bus wurde am 15. Juli 1980 im niederländischen Brunssum geboren. Bei der Harmonie Orkest Concordia Treebeek fing er als Schlagzeuger an. Später wechselte er zur Posaune und studierte erfolgreich Orchesterdirektion. Zur Zeit dirigiert Björn Bus folgende Orchester: Landesblasorchester Baden-Württemberg, Harmonie Orkest Concordia Treebeek, Harmonie St. Joseph Sittard, Koninklijke Harmonie van Horst, Harmonie St. Jozef Kaalheide und das Landesjugendblasorchester von Limburg. Zudem leitet er das Bläserensemble Helicon. Dieses besteht im Gegensatz zu den anderen Orchestern aus professionellen Musikern.

Seinen gelungenen Einstand mit dem Landesblasorchester Baden-Württemberg gab der neue Chefdirigent Ende Oktober 2013 in der Ehinger Lindenhalle beim zusammen mit dem Kreisverbands-Jugendblasorchester Ulm/Alb-Donau veranstalteten Gerhard-Weiser-Benefizkonzert. Dabei erwies er sich in jeder Hinsicht als würdiger Nachfolger der renommierten Schweizer Dirigentin Isabelle Ruf-Weber. Beim Dirigententag zeigte Björn Bus, dass die Leichtigkeit des Seins beim Dirigieren auf der ernsthaften Auseinandersetzung mit allen Aspekten des seriösen Musizierens beruht.

Erschienen: 01.02.2015, Schwäbische Zeitung
Autor: Kurt Efinger