Der Musikverein Ringingen hat mit befreundeten Kapellen eine CD aufgenommen. Drei Tage haben die Musiker im Tonstudio Knochenarbeit geleistet.

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Proberaum des Musikvereins Ringingen: Mit 67 Spielern hat sich fast das komplette Blasorchester eingefunden. Im geordneten Chaos werden Instrumente gestimmt. Mit dem Klopfen des Taktstocks auf das Notenpult fordert Dirigent Matthias Hirling Aufmerksamkeit. Er lässt ein Register nach dem anderen einen Ton halten, fordert von einzelnen Spielern, ihr Instrument nachzujustieren. Er hört sich das Ergebnis an, dann noch einmal das Register im Gesamten und geht weiter. Dann ist der Dirigent zufrieden und gibt den Takt vor für das erste Stück: „Über den Bergen“.

An diesem Tag gibt es einen besonderen Zuhörer. „Stopp, ich komm mal raus“, ist über einen Lautsprecher zu hören. Ein drahtiger Mann kommt durch eine Tür und geht zur Pauke. „Die wummert. Das brauch’ mer ned“, sagt Otto Först. Der Oberpfälzer betreibt ein Tonstudio und ist hier, um mit dem Verein eine CD aufzunehmen. Mit der Paukistin Theresa Jöchle versucht er den richtigen „Bums“ herauszubekommen. Nach einigen Versuchen stellt Först fest: „Da bist nicht du schuld, das ist die Trommel.“ Er verlangt nach Klebeband und dämpfendem Material und lässt einen Teil des Fells abkleben. „Jetzt ist das Wummern erträglich“, sagt Först und verschwindet wieder in der Küche des Musikerheims. Dort ist die Aufnahmetechnik aufgebaut. „Ton ab – Aufnahme läuft“, ruft er in sein Mikrofon, und die Kapelle beginnt von neuem.

Der Marsch wird nicht in einem Stück aufgenommen. Bis zum „Basstrio“ soll es erst einmal gehen. Dann hören sich Först und Hirling die Aufnahme gemeinsam an. Grundsätzlich ist der Tonmeister zufrieden. „Es ist schon mal gut gelaufen“, lobt er. „Du bist beim Musikverein Ringingen“, sagt Hirling selbstbewusst. Also einer Höchststufenkapelle. Dennoch könnten einige Passagen und Register noch besser klingen. Hier sind es die Tenorhörner, dort die Bässe, „die nicht zusammenlaufen“, oder die Geschwindigkeit lässt nach. Andere Passagen wiederum gefallen Hirling nicht. Der Dirigent geht zurück zu seinem Pult, Först drückt wieder den Aufnahmeknopf, hört zu und beobachtet Grafiken am Bildschirm.

Passage für Passage spielt die Kapelle. Vier Lieder hat Hirling eingeprobt, die zusammen mit Stücken der befreundeten Vereine aus Ehingen, Reutlingendorf und dem Musikverein Hochsträß auf der CD Platz finden. Etwa sechs Stunden „Knochenarbeit“ setzte Först allein für die Ringinger an. Damit es nicht ganz so ernst wird, dafür sorgt die Technik. Die von einer Vielzahl von Mikrofonen eingefangenen Töne werden auf verschiedenen, eigenständigen Kanälen gespeichert. „Mal passt es hier, mal passt es dort. Das können wir schneiden“, erklärt Först. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Tempo stets gleich bleibt. „Hier haben wir wenig Spielraum“, sagt der Fachmann. Deshalb grätscht er kompromisslos dazwischen, wenn das Tempo nachlässt. „Oh, das war meine Schuld“, entschuldigt sich Hirling, der unachtsam den Takt vorgegeben hat. „Immer mit einem Auge auf deinem Metronom – Konzentration ist alles“, muntert Först Dirigent und Spieler auf.

Drei Tage lang war das Ringinger Musikerheim Tonstudio. Die Musiker der vier Kapellen waren sich ihres Könnens bewusst und gingen mit Konzentration und Spaß an die Sache. Först ist auf die Ringinger und andere Vereine zugekommen. Als Honorar müssen 250 der Silberlinge übernommen werden. Da in diesem Jahr kein Wertungsspiel ansteht, hätten sie sofort zugesagt, berichtete der stellvertretende Vorsitzende Thomas Felk. Die Aufnahmen bereicherten die Erfahrung der Kapelle. Auf das Ergebnis freut er sich. Der Verein habe zwar schon Live-CDs in seinem Fundus, aber eben noch keine professionell aufgearbeitete. „Live wird ein Stück einfach durchgespielt. Da gibt es kein Zurück mehr. Jetzt sind wir gespannt, wie es sich nun anhört.“

Für Först waren es bei aller Arbeit schöne Tage auf dem Hochsträß. Die Zusammenarbeit sei persönlich angenehm und „von hoher musikalischer Qualität“ gekennzeichnet. „Ich kann eine schöne CD versprechen“, sagte Först. Erscheinen soll sie zum Jahresende. Zu erhalten ist sie dann bei den Musikvereinen und unter www.tonstudio-foerst.de.

Erschienen: 02.07.2016, Südwestpresse
Autor: Franz Glogger
Foto(s): Franz Glogger